Wer macht eigentlich was?

   Physiotherapeut – Chiropraktiker – Osteopath 

 (von Cornelia Begemann, Quellen: Tanja Richter: Illusion Pferdeosteopathie, Pschyrembel, Physioplus GmbH)

 

 

 

Eins haben alle gemeinsam, sie wollen die Wiederherstellung des natürlichen Bewegungsverhaltens eines Individuums erreichen. Hierfür gibt es viele unterschiedliche Techniken. Ob nun rein manuell oder mit Hilfe von naturgegebenen Mitteln (z.B. Wasser, Licht, Magnetfeld)

 

Die Schultermuskulatur wird mit Massage gelockert. Der Widerrist wird sanft kopfwärts geschoben, durch die Lockerung des breiten Rückenmuskels lässt der Druck in den Gelenken rund um das Kreuzbein nach. Eine Hand hält leicht das Brustbein, die Andere umgreift den Widerrist, die Eigenbewegung des Gewebes wird erspürt, ihr gefolgt und verharrt. Den Bauch noch anheben und die Rippen ausstreichen. Das Pferd gähnt und zeigt sich entspannt.

 

  • In dieser Beschreibung war der Therapeut Masseur, Physiotherapeut der manuelle Therapie durchführt und zwischendurch noch Osteopath.

 

 

 

Schiebt die massierende Hand Gelenkflächen auseinander, gelenkt von anatomischen Kenntnissen, so ist dies manuelle Therapie, liegt sie nur auf und fühlt der Eigenbewegung des Gewebes nach, mit der Frage: Wo zieht es mich hin? Hält das Gewebe und wirkt so lösend, reden wir von Osteopathie. Gibt die Hand einen kleinen plötzlichen Ruck, arbeitet sie chiropraktisch.

Ihr seht, ein Therapeut kann in seiner Behandlung mehrere Techniken miteinander verbinden. Umso mehr er beherrscht, umso mehr Lösungsmöglichkeiten hat er.

 

Klar differenziert werden diese Techniken in Physiotherapie, Massage, manuelle Therapie, Osteopathie und Chiropraktik!

Physiotherapie : 

Bedeutet: die Behandlung des Körpers mit natürlichen Mitteln wie Wasser, Wärme, Licht, Luft, Heilgymnastik und Elektrotherapie. Der Physiotherapeut ist Spezialist für Bewegung, Bewegungsanalyse und Rehabilitation.

Physiotherapie am Pferd verglichen mit der Physiotherapie aus dem Humanbereich, würde bedeuten der Pferdephysiotherapeut macht alles: Massage, Gangbildanalyse, Hufmechanik, Lahmheitsdiagnostik, Reiten, Sattelkenntnisse, Erkrankungen aus der Neurologie, Innere Medizin, Wundlehre, Infektionslehre.

Ganz so ist es im Veterinärbereich nicht. In erster Linie lernt der Tierphysiotherapeut Massage und Bewegungsübungen sowie natürliche Hilfsmittel einzusetzen, wie Rotlicht, TENS (Elektrotherapie) und Hydrotherapie zum Beispiel.

 

Massage : 

Massagen werden bereits seit mind. 9000 Jahren durchgeführt. Massieren bedeutet tasten, reiben und kneten. Professioneller ausgedrückt: Massage ist eine mechanische Behandlung der Haut und des tiefer liegenden Gewebes mit nervalreflektorischer Beeinflussung.

Durch Massagen wird die Durchblutung angeregt, Lymphe fließt ab und durch die Massagebewegung und das Lockern von Muskelspannung werden Gelenkblockierungen gelöst. Reize lassen nach und Gewebe kann sich erholen.

 

Manuelle Therapie : 

Hier steht das Gelenk im Mittelpunkt. Die Techniken der manuellen Therapie sind aus osteopathischen und chiropraktischen Techniken entstanden. Man geht davon aus, dass die Muskelverspannung per Reflex durch ein blockiertes Gelenk entstanden ist. Nun muss das Gelenk wieder beweglich gemacht werden, damit die Spannung in der Muskultur nachlässt. Genaue Anatomiekenntnisse sind notwendig um das Gelenk zu lösen. Es wird immer mit beiden Händen gearbeitet und Gelenkflächen sanft voneinander entfernt kombiniert mit Techniken aus den Grundlagen der Neurologie zum Lockern der verspannten Muskeln. Es wird nicht manipuliert (ruckartig).

 

Osteopathie : 

Bedeutet: Lehre der Knochenkrankheiten (osteo-Knochen, pathie-Kranheit). Ziel der Osteopathie ist eine optimale Ausrichtung des muskuloskeletalen Systems zum besseren Fluss des Gefäß- sowie Lymphsystems, der durch Eigenregulation zu einem besseren Gesundheitszustand führt. Dies wird mit Hilfe von verschiedenen manuellen Techniken erreicht.

Es gibt die parietale (muskuloskeletales System), viszerale (innere Organe) und kraniale (inhärente Rhytmen) Osteopathie.

Es wird mit viel Gefühl gearbeitet. Erspürt wie ein Knochen im Raum steht und wie die Eigenbewegung des Gewebes ist. Mithilfe bestimmter Techniken kann man Einfluss auf die Eigenbewegung des Gewebes nehmen und somit auf die Lage des Knochens.

Die Hände des Therapeuten liegen bei einer osteopathischen Behandlung nur ruhig auf dem zu behandelndem Körper auf. Bewegen sich für einen Aussenstehenden kaum sichtbar. Ein gähnen, abkauen, abschnauben und auch schütteln des Pferdes zeigt dem Therapeuten, dass sich Spannungen gelöst haben.

Das Bewegungssystem des Pferdes wird durch die Behandlung sozusagen „umproprammiert“.

 

Chiropraktik :

Bedeutet: „mit den Händen erfolgend“. Gerne wird hier von „einrenken“ gesprochen.

Ein aus seiner Fassung geratenes „ausgerenktes“ Gelenk „renkt“ der Chiropraktiker wieder ein. Korrekter ausgedrückt muss man sagen, ein Gelenk bewegt sich nicht mehr, ist also blockiert. Der Chiropraktiker arbeitet über ruckartige Impulse direkt am Gelenk, um es wieder frei zu machen. Entweder wird das Gelenk bis an seine Grenzstellung gebracht und dabei kurzfristig überdehnt oder die Gelenke werden betont ruckartig zusammengebracht. Der Effekt beruht auf einer Mehrdurchblutung der kurzfristig gedehnten Bereiche und in einer neurologischen „Umprogrammierung“ der Muskelspannung.

 

Ein Chiropraktiker der davon spricht, es sei etwas „raus“ und müsse „rein“ drückt sich nicht korrekt aus!

Somit kommen wir zu der Definition von Blockierungen und Blockaden.

 

Definition einer Blockierung

Reversibel (wieder herstellbar) gestörte Gelenkfunktion im Sinne einer Bewegungseinschränkung. Der Tonus der Muskulatur ist auf reflektorischem Wege verändert und die zugeordneten Gewebe zum Gelenk (Fascien, Organe, weitere Gelenke) können in ihrer Funktion auf neurophysiologischem Wege beeinträchtigt sein.

Es gibt 3 Blockierungsgrade:

Grad 1: leichte Blockierung, leicht reversibel, lösen sich oft bereits beim bocken und strecken

Grad 2: deutliche Blockierung, therapiebedürftig, mit Mobilisation behandelbar.

Grad 3: starke Blockierung, nach Mobilisation und weitestgehender Funktionswiederherstellung der umliegenden Gewebe durch Manipulation lösbar.

Ist eine Blockierung 3. Grades nicht lösbar, ist es eine Blockade. Eine Blockade ist irreversibel! Zum Beispiel eine Knochenzubildung die ein Gelenk versteift hat (Athrose).

 

Kommen wir zu dem Begriff „ausgerenkt“.

Ist ein Gelenk ausgerenkt hat ein Knochen seine Gelenkpfanne verlassen und hängt oder steht neben dem Gelenk in den Muskeln oder den Bändern. Dabei kommt es häufig zu Einrissen der Gelenkkapsel mit Blutungen usw. Zumindest ist das Gelenk mehr als nur verstaucht.

Das Ausrenken eines Gelenkes ist in der Regel eine sehr ernsthafte Verletzung. Und das dann erforderliche Einrenken ist auch nicht gerade ein angenehmes Erlebnis. Oft muss es unter Narkose erfolgen. Manchmal müssen die Einrisse in der Gelenkkapsel genäht werden, oder die ausgeleierten Bänder operativ gestrafft.

Das was wir Therapeuten in unseren Behandlungen lösen sind immer Blockierungen! Keine Blockaden. Und „gerenkt“ wird nicht!

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